Jagdverhalten – was ist das?

Sicherlich kann jeder mit dem Begriff Jagdverhalten etwas anfangen und hat eine Vorstellung, was damit gemeint ist.

Das Jagdverhalten ist ein Urinstinkt und hat seinen Ursprung im Beutefangverhalten. Als unser Haushund noch nicht so domestiziert war, wie er es heute ist, hat ihm dieses Verhalten das Überleben gesichert. Auch heute noch ist dies bei Wölfen, Wildhunden und anderen Raubtieren der Fall.

Dieses Verhalten wird meist nur als Ganzes gesehen. Zudem ist es vielen Menschen unangenehm, wenn ihr Hund Jagdverhalten ausführt. Aus diesem Grund nehmen wir das Jagdverhalten genauer unter die Lupe.

Erst einmal schauen wir uns die einzelnen Elemente an, aus denen sich das komplette Jagdverhalten zusammensetzt:
  • Orientieren: der Hund hält Ausschau nach Beute und versucht diese über seine verschiedenen Sinnesorgane ausfindig zu machen.
  • Fixieren: der Hund hat seine Beute gesichtet. Bei Vorstehhunden sieht man bei diesem Element oft das offensichtliche Vorstehen mit der angehobenen Pfote.
  • Beschleichen: Belauern der Beute.
  • Hetzen
  • Packen: der Hund packt und trägt die Beute. Dieses Verhalten machen wir uns für das Apportieren von Gegenständen zu nutze.
  • Töten
  • Zerlegen
  • Fressen
Der Mensch empfand dieses Verhalten bzw. einzelne Elemente als sehr nützlich und machte sich diese zunutze. Er züchtete sich gezielt diese einzelnen Elemente des Jagdverhaltens heraus. So entstanden viele verschiedene Rassen, welche durch die jeweils stärkere Ausprägung verschiedener Elemente Spezialisten für unterschiedliche Aufgaben wurden.
Beispiele an Jagdspezialisten:
  • Vorstehhunde: Hierunter fallen auch sämtliche Pointer und Setter. Sie sind in der Regel auf Federwild spezialisiert und kommen meist im offenen Gelände zum Einsatz. Sie suchen das Gelände weiträumig nach Wildgerüchen ab und zeigen dieses anschließend an, indem sie erstarren und in die Richtung dessen blicken. Dieses Verhalten ist angeboren, bedarf aber des Trainings, damit der Hund das Wild nicht auf eigene Faust hochscheucht und hetzt.
  • Stöberhunde: Hierunter fallen unter anderem Spaniels und auch Terrier. Sie kommen in Waldgebiet oder dichtem Dickicht zum Einsatz und sollen das Wild zum Jäger treiben. Dabei können sie Spur- oder Sichtlaut sein, damit der Jäger abschätzen kann, wo das Wild auftauchen wird. Von einem Stöberhund ist es unerwünscht, dass er Wild hinterher hetzt, weshalb frühzeitiges Training wichtig ist. Hat er sich dieses einmal angewöhnt, bekommt man dieses Verhalten nur schwer wieder unter Kontrolle.
  • Retriever: Hierunter fallen sämtliche Retrieverrassen. Sein Einsatzgebiet ist meist am und im Wasser. Sie müssen über die ganze Jagd geduldig an der Seite des Jägers warten und das Jagdgeschehen beobachten, um sich die Fallstellen der Vögel zu merken. Sollte er sich eine Stelle nicht gemerkt haben, kommt seine besondere Lenkbarkeit zum Einsatz.
  • Lauf- und Schweißhunde: Hierunter fallen die Meutehunde wie Beagle, Bassett und Co. sowie sämtliche Bracken. Sie sollen selbstständig jagen ohne Zusammenarbeit mit dem Menschen und sind reine Fährtenjäger. Ihre Beute sollen sie Spur- und/ oder Sichtlaut verfolgen, d. h. sie bellen, wenn sie Wild riechen und/ oder sehen. Bracken sollen ihre Beute solange verfolgen, bis diese an ihren Aufenthaltsort zurückkehrt, in einen Hinterhalt gerät oder aufgibt, damit der Jäger es dort erlegen kann. Schweißhunde werden in der Regel an der Leine geführt und sollen verletztes Wild ausfindig machen, damit der Jäger dieses erlösen kann.
  • Pinscher, Schnauzer, Terrier und Teckel: Diese Rassen werden dafür genutzt, um auf kleine sowie wehrhafte Beutetiere Jagd zu machen. Sie jagen dabei selbstständig ohne Zusammenarbeit mit dem Menschen, verfolgen ihre Beute bis in den Bau, um sie dort zu töten oder hinauszujagen, damit der Jäger sie erlegen kann.
  • Windhunde: Diese Hunde werden meist dann eingesetzt, wenn das Wild schon aufgestöbert und sichtbar ist. Sie werden gerne bei sehr schnellem Wild wie Hasen oder Kaninchen eingesetzt. Durch ihre schnellen kurzen Sprints können sie dieses gut einholen und erlegen.
    Zu dieser Gruppe zählen auch die Podencos, auch wenn sie nicht nur auf Sicht, sondern auch mit Ohren und Nase jagen.
  • Spitze und Schlittenhunde: Auch diese Hunde bringen Jagdtrieb mit, da sie meist sich selbst überlassen wurden, wenn sie nicht gebraucht wurden oder unter anderem zur Bärenjagd eingesetzt wurden.
  • Hüte- und Treibhunde: Ja, du liest richtig! Auch Hüteverhalten ist jagdverhalten. Das Hüteverhalten setzt sich zusammen aus den Elementen Fixieren, Beschleichen und Hetzen. Normalerweise werden Hütehunde an Schafen und Treibhunde bei wehrhafteren Nutztieren wie Kühen eingesetzt. Sie sollen diese einsammeln und dem Schäfer/ Kuhtreiber zu treiben. Dem Hund ist es letztlich egal, ob er gerade Wild oder Nutztiere jagt, weshalb sich hier auch schnell unerwünschtes Jagdverhalten aufbauen kann.
Jegliche Elemente aus dem Jagdverhalten sind für den Hund selbstbelohnend. Dies bedeutet, dass sich das Verhalten durch die Ausführung selbst belohnt und somit verstärkt wird. Belohnungen machen Spaß und somit kann das Jagdverhalten von uns auch nicht unterdrückt oder verboten werden. Es gibt Hunderassen, die genetisch das Jagdverhalten verstärkt mitbringen (siehe oben). Hier sollte direkt zu Beginn als Welpe an der Kontrollierbarkeit am wahrgenommenen Wild gearbeitet werden. Super ist es, ein Training zu beginnen, bevor der Welpe Erfahrung mit Wildtieren gemacht hat. Sind die Grundlagen erarbeitet, geht es an das Training mit Wildtieren. Ausnahme ist hierbei natürlich der Welpe, der zum Jagdgebrauchshund ausgebildet werden soll.
Erst während der Pubertätszeit zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat zeigt sich, was genetisch alles an Jagdverhalten in unserem Vierbeiner wirklich drinsteckt. Hat er Erfahrungen mit Jagdverhalten erst einmal gemacht, sind diese nur schwer wieder rückgängig zu machen. ABER: Auch nach jagdlicher Erfahrung ist es nie zu spät, an der Kontrollierbarkeit des Hundes zu arbeiten. Dennoch empfehle ich, daran zu arbeiten, bevor er die tollsten Jagderfahrungen machen konnte. Zusätzlich sollten unbedingt Beschäftigungen in sein Leben eingebaut werden, in denen er seine jagdlichen Vorlieben ausleben kann und darf.
Hundewelpe
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